Ein Tag Stopover in Anchorage

Anchorage was? Wo? Und wie kommt jemand dazu einen einzigen Tag an diesem Ort zu verbringen? Nun, ja…

Als ich in Neuseeland war wusste ich bereits, dass ich Anfang Juni nach Hause fliegen möchte. Also habe ich angefangen, meinen Weg zurück nach Österreich zu planen. Da ich überhaupt keine Ahnung hatte, wohin es nach Neuseeland gehen soll,  habe ich einfach damit begonnen, die Regionen rund um Ozeanien, sprich Südamerika, Mittelamerika, Westküste USA, usw., nach günstigen Flügen nach Hause abzusuchen.

Witzigerweise habe ich den günstigsten Flug von Hawaii aus gefunden. Natürlich dachte ich mir gleich „Hawaii?? Das lässt sich einrichten… Gibt schließlich schlimmeres.“ Die Flugroute beinhaltete aber einen ganzen Tag Aufenthalt in Anchorage. Um ehrlich zu sein – ich musste erst einmal googeln, wo diese Stadt eigentlich liegt. Als ich herausgefunden habe, dass Anchorage die größte Stadt in Alaska ist, schoss es mir nur durch den Kopf, wie toll das werden könnte. Flug gebucht.

Info am Rande: So kam auch meine Route von Neuseeland quer über den Pazifik (FijiSamoaHawaii) zustande.

Was aber nun an einem einzigen Tag in Anchorage machen?

Ich wollte natürlich das Meiste heraus holen. Wann hat man schließlich wieder die Möglichkeit in Alaska zu landen? Also verbrachte ich die Abende in Hawaii mit Alaska-Recherchen. (Glaubt mir, es gibt nichts schrägeres, als auf einer tropischen Insel zu sitzen und einen Reiseplan für ein kaltes Land auszuarbeiten…)

Wenn man an Alaska denkt, fallen einem als erstes jede Menge Eis, Schnee und natürlich Wale ein. Also war mein erster Gedanke ein Tagesausflug auf einem Schiff, um eventuell Eis und Wale sehen zu können, hatte ich ja bis jetzt in jedem Land die Walsaison versäumt.

Nach Rücksprache mit einigen Anbietern fiel dies aber aus, da die meisten Whalewatching-Touren um die Mittagszeit starten und bis zum Abend dauern, mein Weiterflug aber bereits um 17:00 war. Außerdem gingen die Schiffe nicht von Anchorage weg, sondern 2-3h südlich von Seward oder Whittier. Sollte aber einer/eine von euch jemals die Chance dazu haben, kann ich euch so eine Tour wärmstens empfehlen! Die Mitarbeiter aller Anbieter waren wirklich um Hilfe bemüht!

An diesen Punkt meiner Planung verzweifelte ich etwas. Endlich wäre ich einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort um Wale zu sehen, macht mir die Überschneidung der Tour und meines Weiterfluges einen Strich durch die Rechnung. Was also sonst tun?

Am Abend nach meinem wunderschönen Helikopterflug auf Kauai fiel es mir schließlich wie Schuppen von den Augen – ein Rundflug wäre perfekt! Es ist natürlich nicht die günstigste Angelegenheit, aber man sieht sehr viel in kurzer Zeit und die Vogelperspektive hatte es mir wirklich angetan!

Nach weiteren Recherchen dazu strich ich aber auch einen weiteren Hubschrauber-Flug von der Liste, da die Preise bei gleicher Flugzeit fast das Doppelte kosteten als in Hawaii. Man muss es ja nicht gleich übertreiben… Ein weiterer Bewohner meines Hostels, dem ich mein Planungsproblem erklärte, brachte mich auf die Idee auch Firmen mit Wasserflugzeugen anzufragen.

Gesagt – Gesucht – Gebucht!

…………………………………………………………………………………………………………………………………………..

 

Nach einem fünf Stunden Flug komme ich müde um halb sechs morgens an. Ein netter Taxifahrer aus Osteuropa bringt mich in die Innenstadt und setzt mich vor einem hippen Café ab, in welchem sogar einmal Barack Obama gefrühstückt haben soll. Gut genug für Obama ist gut genug für mich…

warten, bis das Café öffnet…

 

Mit einer Riesenportion „Eggs Florentine“ im Bauch mache ich mich auf den Weg die Stadt zu erkunden. An die eine Seite der Stadt genzt die Bucht ‚Cook Inlet‘, an die andere ein Gebirgszug, welcher der Stadt einen wunderschönen Hintergrund bietet.

Alaska Railroad 556

 

von 30 Grad auf Hawaii runter auf 10 Grad…

 

Um 9:00 sperrt das Anchorage Museum im Rasmuson Center auf. Das Museum beinhaltet zur Zeit eine fantastische Austellung über die verschiedenen Völker und Stämme der Inuit und wie bedroht ihre Traditionen sind. Durch die Modernisierung und die englische Sprache, die seit des Verkaufes des Landes vom russischen Kaiserreich an die USA 1867 und besonders seit Alaska offiziell zu den Vereinigten Staaten 1959 aufgenommen wurde, gingen viele Dialekte, Sprachen und Riten verloren. Viele junge Nachfahren kämpfen gemeinsam um den Erhalt der Kulturen.

„We’re connected. We can connect easily. We have the power to do that.“

 

Esghallghilnguq,

Nagaqullghilnguq,

Nanghiillghilnguq,

Nulluksaghqaq.

 

What you do not see,

do not hear,

do not experience,

you will never really know.

 

Iyqqka – Anders Apassingok, St. Laurence Island Yupik

 

 

Drei emotional bewegende und lehrreiche Stunden zur Geschichte Alaskas später hüpfe ich in ein Taxi und begebe mich zum weltweit größten Wasserflughafen ‚Lake Hood‘. Ich bin mehr als begeistert, als eine junge Pilotin ein amerikanisches Pärchen und mich willkommen heißt und uns alles zu unserer Tour erklärt. Es stellt sich heraus, dass sie in meinem Alter ist und ursprünglich aus Deutschland kommt. Gibt es etwas cooleres, als zu Hause erzählen zu können, dass man in Alaska Wasserflugzeugpilotin ist!?

Wir fliegen über das Tal des Knikflusses bis zu seinem Ursprung, dem Knik Gletscher. Am benachbarten Lake George, der sich am Fuße des Colony Gletschers befindet machen wir sogar eine kurze Zwischenlandung bevor es wieder zurück Richtung Anchorage geht. Es ist einfach atemberaubend!

Ein weiterer Angestellter der Flightseeing-Firma hat mir angeboten mich zurück zum Internationalen Flughafen zu fahren. Meine Heimreise kann fortgesetzt werden.

Flugzeugwechsel

 

über den Nordpol nach Europa

 

Ich muss ehrlich gestehen, dass sich bis zu diesem Punkt noch kein Gefühl des „Nach-Hause-Fliegens“ eingestellt hat. Immerhin ist Alaska noch ein wunderbarer Stop auf meiner Reise. Aber nun kommt mir doch etwas das Flattern. Wie wird es wohl sein, nach so langer Zeit zurück nach Österreich zu kommen? Wird sich zu Hause etwas verändert haben? Werden meine Familie und Freunde finden, dass ich mich verändert habe? Ob ich unsere Gesellschaft noch mehr hinterfragen werde als zuvor und meinen Lebenstil dementsprechend anpassen kann? Oder ob alles ganz anders kommt.

Es wird sich auf jeden Fall noch früh genug heraus stellen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*