Als wir den Mt. Taranaki nicht gesehen haben und wir wieder Kinder waren!

Nach der doch eher anspruchsvollen Wanderung im Tongariro Nationalpark haben Manu und ich uns einen Tag Auszeit gegönnt. Entspannung haben wir im nächstliegenden Dorf Whakapapa am Campingplatz gefunden. Ein ganzer Tag nur im Schlafsack sitzend faulenzen, Sudoku spielen und stricken. Nein, wir sind noch nicht in Pension. Ja, uns gefällt sowas!

Ausblick zum Tongariro Nationalpark

 

Auf dem „Forgotten World Highway“ geht es querfeldein in Richtung Egmont Nationalpark. Der Vulkan Taranaki tront mitten auf einer Halbinsel und hat die perfekte „Kegelvulkan-Form“, Manu und ich erwarten sich also einiges!

Kommt doch einer vergessenen Welt ziemich nahe, oder?

 

Aber nichts da. Das Leben lehrt uns, sich niemals zu viel zu erhoffenund bestraft uns mit Wolken. Wir warten einen Abend ab und haben zumindest mit dem Sonnenuntergang Glück. Das hat natürlich auch seinen Charme!

Am nächsten Tag wollen wir es aber genau wissen! Wir durchforsten das World Wide Web für den besten Ausblick zum berühmten Kegelvulkan und werden fündig: Nördlich des Vulkanes gibt es einige Berge, von denen der Ausblick unvergleichlich sein soll. Also heißt es wieder hinein in die Wanderschuhe und „auffe auf’n Berg“!

Wir parken unsere Jule am Ende der Mangorei Road und machen uns auf den Weg quer durch den Regenwald. Der Weg wurde aus einzelnen Holzstäben liebevoll ausgelegt und die Geräuschkulisse zieht uns in den Bann! Unbekannte Vögel zwitschern uns ihr Lied vor und laden uns zum Zuhören ein. Diese Idylle wird nur leider immer wieder von jungen Wanderern und ihrer lauten Musik gestört. Was die alles akustisch verpassen…

Während einer Pause scheint uns die Sonne liebevoll ins Gesicht!

 

 

Wer neugierig auf das Vogelgezwitscher geworden ist, dem kann ich mit dieser wunderbaren Gesangseinlage dienen 🙂

 

Nach ca. 800 Höhenmetern lichtet sich der Regenwald und verwandelt sich in eine Buschlandschaft. Ohne Blätterdach wird ein Ausblick frei, an den wir noch gar nicht gedacht hatten…

Das Meer!!!

 

Es geht noch ein Stückchen weiter hoch bis zur Pouakai Hütte. Dort angekommen verschnaufen wir erst einmal, lassen die ersten Eindrücke sacken und genießen unser mitgebrachtes Mittagessen. Auf so einer Höhe schmeckt’s doch immer am Besten!

Die Aussicht in Richtung Nordwesten ist wirklich ein Genuss, nur leider braut sich hinter uns etwas zusammen. Leider ist das auch die Richtung, in der der Vulkan liegt. Wir probieren es aber natürlich trotzdem und steigen die letzten Meter zu einer Art Plattform hoch, von der aus man direkt zum Mt. Taranaki blicken kann.

Normalerweise.

Nicht heute.

Als ob die Wolken es absichtlich machen würden…

Da Manu und ich aber unendliche Optimisten sind warten wir natürlich ab. Eine Stunde vergeht und es tut sich nichts. Wir probieren alles: Zauberei und Magie, Gedanken senden, Meditieren… nichts hilft. Die Wolken bewegen sich zwar, aber sie scheinen sich einfach nur um die Bergspitze zu drehen.

Wir genießen natürlich den Ausblick über den Nationalpark! Zu Fuße des Vulkanes liegt ein Überschwemmungsgebiet vieler einzelner Flüsse, die am Taranaki entspringen. Links davon reihen sich witzige Bergspitzen aneinander und rechter Hand liegt der Hump. Nur leider bleibt uns der Mt. Taranaki verschleiert.

der Maude Peak (links) und der Henry Peak (rechts daneben) stechen hervor

 

Hump

 

Wir lassen es nach fast zwei Stunden gut sein, immerhin müssen wir noch zurück marschieren und einen Nachtplatz für heute finden. Traurig drehen wir um.

Etwas enttäuscht aber trotzdem froh, eine so schöne Wanderung hinter uns gebracht zu haben, erreichen wir Jule. Während der Fahrt zurück nach New Plymouth linse ich in den Rückspiegel und mache eine Vollbremsung! Da ist er ja!!!

Wir fahren glücklich weiter zu einem netten Campingplatz in der Stadt und gönnen uns selbst gemachte Burger mit Quinoa-Gemüseleibchen und jeder Menge Salat und Saucen. Das haben wir uns wirklich mal verdient! Vor lauter Hunger und Essenslust vergessen wir aber wieder einmal ein Foto unser tollen Kochkünste zu machen…

Am darauf folgenden Tag geht es wieder zeitig weiter. Wir wollen heute noch die „Three Sisters“ und den „Elephant Rock“ besuchen! Als wir nach ca. einer Stunde Fahrt am Parkplatz ankommen, bemerken wir erst, dass man nur bei Ebbe zu den tollen Felsformationen rüber spazieren kann. Es sieht aber noch verdächtig nach Flut aus.

Was machen zwei verrückte Hühner in so einem Fall? Sie verbringen die Wartezeit im Kindermodus und spielen im Sand und Schlamm! Was auch sonst?!

Wir freuen uns wie überdrehte Kinder und lachen und laufen und haben Spaß. Vorbeigehende Leute schauen uns zwar etwas verdächtig an, können sich dann aber ein Grinsen nicht verkneifen. Wir freuen uns, dass wir Fremden ein Lächeln ins Gesicht zaubern können!

 

 

Das Wasser zieht sich endgültig zurück und Manu und ich haben freie Fahrt zu unseren Felsen! Wir haben aber auf den Weg dahin nicht mit der Magie des Tages gerechnet, welcher uns einen schwarzen Strand mit unzähligen Muscheln und bunten Steinen beschert. Wir können uns gar nicht satt sehen. Der Tag könnte nicht besser sein!

Doch auch ein perfekter Tag geht einmal zu Ende – umso schöner ist die Erinnerung!

An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Manu für diesen sorgenfreien, kindlichen Tag bedanken und gleichzeitig alle LeserInnen daran erinnern, dass in jedem und jeder von uns noch irgendwo ein Kind steckt, das man gerne einmal heraus lassen darf. Es tut so gut!

 

Es gibt kein Verbot für alte Weiber auf Bäume zu klettern!

Astrid Lindgren

 

 

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