Tongariro Alpine Crossing

Wer sich auf der Nordinsel Neuseelands befindet, gerne wandert und dabei auch noch “Herr der Ringe”-Fan ist, der darf sich die berühmte Tageswanderung nicht entgehen lassen!

So natürlich auch Manu und ich. Schon sehr früh verlassen wir unseren Gratiscampingplatz und machen uns mit dem Auto auf den Weg zum Parkplatz am Ende des berühmten Wanderweges. Wir hatten gelesen, dass die wenigen Stellplätze schnell vergeben seien und wollten deswegen nicht zu spät ankommen. Als wir den Parkplatz erreichen, also kurz vor 7:00, sind zum Glück noch einige Plätze frei, was sich aber in wenigen Minuten komplett ändert.

Von hier aus gibt es einen Shuttleservice zum Start am Mangatepopo Carpark. Da wir schon so früh am Ketetahi Carpark waren, bekommen wir einen Platz in einem der ersten Busse, bevor die Touristenmassen antanzen. Eine halbe Stunde später geht es auch schon ans Marschieren!

Die ersten Kilometer geht es durch ein feuchtes, felsiges Gebiet. Auf einen Steg kann man über den nassen Untergrund spazieren. Begleitet wird man dabei von einem kleinen Fluss, der sich immer wieder rauschend über Felsen windet.

Die Wolken hängen über uns in den witzigen Felsformationen und verhüllen noch die Berge, die vor uns liegen.


Um etwas Zeit zu gewinnen, um das Verschwinden der Wolken abzuwarten, gönnen wir uns erst einmal unser mitgebrachtes Frühstück: Brot, Aufstrich und etwas Gemüse. Die vorbeiwandernden Massen lachen uns zu, Manu und ich erkennen aber in ihren Blicken, dass sie eifersüchtig sind und auch schon gerne Pause machen wollen und sich nur noch nicht die Blöße von Müdigkeit geben wollen.

Als wir gestärkt weiter stapfen und nur ein Stückchen um die Kurve gehen, sitzen unzähliche Wanderer am Boden herum und jausnen. Wir lachen. Als ob sie sich uns als Vorbild genommen hätten, genießen alle fröhlich ihr Frühstück. Ein wirklich erfreulicher Anblick!

Die Wolken verziehen sich nun endgütlig wärend wir den ersten Berg hinaufsteigen und unser Blick gleitet vom vor uns liegenden Vulkan über die darunterliegende Talebene. Unbeschreiblich.

da geht’s hinauf…

 

Wir quälen uns die Stufen hinauf. Stufen sind immer wieder zerrender als einfach nur bergauf gehen, meiner Meinunng nach. Aber ich verstehe, warum hier Stufen gebaut wurden. Die letzten Ausbrüche des Mt. Ngauruhoe haben die Umgebung in ein Geröllfeld verwandelt und lassen es nur kaum zu, darauf zu laufen ohne bei jedem Schritt wieder zurück zu rutschen. Warum Geröllfeld, fragst du dich? Tja, dieser Vulkan späht keine Lava, er schleudert Steine durch die Luft!

Doch dann haben wir den ersten steilen Aufstieg hinter uns gebracht und finden uns auf einer Mondlandschaft wieder. Die flache Ebene auf ca. 1650m Höhe vor dem Vulkan beinhaltet auch einen See. Es sieht unglaublich aus! Manche mutigen Wanderer steigen auf den 2.287m hohen Vulkan hinauf, Manu und ich genießen die Umgebung aber lieber von hier unten.

Den Herr der Ringe-Fans unter euch müsste schon aufgefallen sein, dass der Vulkan Ngauruhoe verdächtige Ähnlichkeiten besitzt. Es handelt sich hierbei um den leibhaftigen Mt. Doom! Nur den Dark-Tower gibt es leider nicht wirklich…

Mordor!

 

Nachdem wir uns am Ausblick erfreut haben, geht es zum nächsten Aufstieg – Red Crater. Kurz vor dem höchsten Punkt am Krater kann man noch zum Mt. Tongariro abbiegen. Der kalte Wind saust uns um die Ohren und uns friert in den Fingern. Wir entscheiden uns daher es dabei sein zu lassen.

Der rote Vulkan mit einem Gipfel auf 1886m will sich uns aber leider nicht wirklich zeigen und hüllt sich komplett in Wolken. Oben angekommen können wir nur kurz in den roten Krater luchsen.

Gipfel!

 

sooo kalt…

 

Von hier aus müsste man nun auch auf die berühmten Emerald Lake sehen können. Leider sind die Wolken heute etwas lästig und auch nach einer Stunde warten auf dem warmen Sand können wir die Seen nicht sehen.

Wir rutschen den sandigen Hang hinunter. Mit jedem Meter nach unten wird auch die Sicht zu den Schwefelseen besser. Fauler Eierduft weht uns entgegen. Das hatte ich seit den Vulkanen auf Java nicht mehr vermisst. Der Ausblick zu den milchigen, hellblauen Seen entschädigt jedoch mehr als genug!

Als uns der Schwefelgeruch zu sehr in die Nase steigt, ziehen wir weiter in Richtung Blue Lake. Von weitem kann man nun auch noch einmal den Roten Krater bestaunen. Wir sehen einige Wanderer, die von der anderen Seite gewandert sind und sind ihnen den steilen, sandigen Aufstieg zum höchsten Kraterpunkt nicht neidig.

Wir steigen noch ein letztes Mal über einen Steinwall und finden uns in einer Steppenlandschaft wieder. Aus vielen Erdlöchern raucht es und im Hintergrund kann man schon den Lake Taupo erkennen. Die tiefliegenden Wolken lassen den Ausblick spektakulärer erscheinen, als er vielleicht ist. Ringsherum blühen kleine alpine Blumen und bringen Leben in die vertrocknet scheinende Landschaft.

Nachdem wir eine kleine Hütte passiert haben, gibt es noch ein letztes Mal einen spektakulären Landschaftswechsel: hinein in einen Regenwald! Neben den Holzstegen, die durch den Wald führen, rauschen kleine, wasserreiche Flüsse. Ein wirklich unglaublicher Abschluss!

Feuchte Moorgebiete, steinige Hänge, Mondlandschaften, Krater, Seen, Steppenlandschaft und einen Regenwald. Das Tongariro Crossing lässt auf seinen 19,4km nur wenige Wünsche offen. Manu und ich sind wirklich überglücklich und froh, es geschafft zu haben. Obwohl wir doch finden, dass der Roys Peak in Wanaka anstrengender war, war diese Wanderung doch eindeutig abwechslungsreicher in seiner Umgebung.

Um uns von den Strapazen und der zwischendurch eisigen Kälte zu erhohlen, gönnen wir uns in einem naheliegenden Hotel einen Saunagang. Die Tiefenwärme und die Lockerung der verspannten Muskeln tut unendlich gut.

Es hat sich wirklich ausgezahlt! Tongariro Alpin Crossing – Solltet ihr die Chance haben ihn zu bewandern, macht es!

 

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