Roadtrip Tasmanien – Part 3 – der Nordwesten

Nachdem Manu und ich noch überwältigt von den Eindrücken und Ausblicken des Hartz Nationalpark zurück zu unserem Kaiser Josef kommen, fühle ich mich noch fit genug, um den weiten Weg von ca. 400km an die Westküste auf mich zu nehmen. “Es ist zwar schon Mittag, aber das schaffen wir schon bis zum Sonnenuntergang.”, hoffe ich.

 

sechstes Ziel: Strahan

Die Landschaft in Mittel-Tasmanien ist wieder komplett anders und verändert sich gefühlt nach jeder Kurve. Erst der grüne Nationalpark, dann die ausgetrockneten und verdörrten Steppenflächen, bis wir schließlich dunkelblaue Seen passieren.

Ungefähr bei der Hälfte der Strecke entschließen Manu und ich uns, einen Autostopper mitzunehmen. Der Mann ist schon etwas älter und erzählt uns von seiner Verweisung aus Tschechien in den frühen Achzigern, seines 9-monatigen Aufenthaltes in Traiskirchen danach und seiner anschließenden 5jährigen Zuflucht in den USA. Nach dem Mauerfall entschied er sich in sein Heimatland zurückzukehren, was er aber anscheinend furchtbar bereut. Er liegt uns in den Ohren, dass er fast kein Geld mehr hat, aber noch ein Monat in Australien bleiben möchte. Für uns klingt es fast nach Betteln. Wir nehmen ihn nach seinem Bitten hinauf mit zu unserem gewählten Abendquartier, einem Free-Camping-Spot am Meer außerhalb von Strahan. Als wir ankommen fängt er jedoch furchtbar zu “Sudern” an, wo er denn da hingekommen wäre, und der nächste richtige Campingplatz sei über 10km weit weg. Manu und ich verstehen nicht ganz, was er sich erwartet hat. Ich muss gestehen, dass ich an diesem Abend nach der Wanderung und der langen, anstregenden Fahrt keine Geduld für solch Probleme mehr habe. Manu steigt auf sein Drängen nicht ein und er macht sich sauer zu Fuß auf in Richtung Stadt. Wollte er, dass wir ihn zurück fahren? Manu und mir ist er nicht geheuer und sind insgeheim froh, dass er sein Nachtquartier nicht neben unserem aufgestellt hat.

Wir verstehen auch gar nicht, was er gegen den Camping-Spot hat. Natürlich ist es kein geführter Campingplatz, folglich gibt es keine Toiletten oder sonstige Anlagen. Aber genau das ist ja das Spannende und Abenteuerliche am wilden Campen. Leider ist es bereits dunkel geworden und der Wind weht etwas. Wir beschließen uns, auch diese Nacht wieder im Auto zu verbringen, da wir auch am nächsten Tag wieder zeitig weiterfahren wollen.

Ich schlafe etwas aus, da mich das viele Fahren doch ziemlich geschafft hat. Danach verschaffe ich mir aber gleich einen Überblick der Küste, da ich von vielen Einheimischen an der Ostküste gehört habe, wie anders es hier sein soll. Und tatsächlich, der Strand geht sehr flach in’s Meer und die Weite ist beeindruckend.

wunderbare Muster, die ein Bach in den Sand malt

 

 

siebtes Ziel: die Gegend rund um Arthur River

Nach dem Frühstück in der Stadt machen wir uns gleich daran weiter zu fahren, da das Wetter noch immer nicht besser geworden ist und wir keine Zeit an einem bewölkten Ort vergeuden wollen. Es geht weiter hinauf in den Norden, wo wir auch bald die asphaltierte Straße verlassen und auf einem Schotterweg durch Wälder brettern. Die Landschaft wird aber noch spannender. Nach dem grünen Wald folgen verbrannte Bäume, die aus grünem Gestrüpp ragen. Sehr beeindruckend!

die Geschwindigkeitsbeschränkung ist hier eher eine Herausforderung

 

Wir fahren eine gefühlte Ewigkeit die unbefestigte Piste entlang, ohne auch nur einmal ein anderes Auto zu sehen. Irgendwie scheinen wir auch nicht weiterzukommen. Die Straße windet sich bergauf, bergab und eine Kurve gleicht der anderen. Bis wir endlich wieder auf Aspahlt stoßen. Nun ist es nicht mehr weit zur Küste!

den gefährdeten Tasmanischen Teufel (oder Beutelteufel) haben wir leider nicht gesehen…

 

Da wir schon so neugierig auf die Strände hier im Norden sind, biegen wir gleich zum ersten Dorf ab und sind beeindruckt! Felsen ragen aus dem Meer und sehen aus, als ob sie soeben aus der Tiefe herausgeschossen wären!

Wir fahren weiter die Straße entlang, denn die Beschriftung “Edge of the World” nähe dem Dörfchen Arthur River hat in der Landkarte unser Interesse geweckt. Und auch hier das ähnliche Phänomen: Felsen, die Schichtweise aus der Erde herausragen und die Brandung tosen lassen.

 

I cast my pebble onto the shore of Eternity.
To be washed by the Ocean of Time.
It has shape, form and substance.
It is me.
One day i will be no more.
But my pebble will remain here.
On the shore of Eternity.
Mute witness for the aeons.
That today i came and stood.
At the edge of the world.
Brian Inder

 

Noch etwas weiter die Küste hinauf hat Manu wieder eine kostenlose Campingmöglichkeit ausfindig gemacht und wieder werden wir von der überwältigenden Landschaft überrascht. Heute lassen wir uns es auch richtig gut gehen und kochen aus den günstig erstandenen Paprikas und einer Chilischote ein köstliches Paprika-Letscho mit Reis. Wir sitzen bis spät in die Nacht in unsere Schlafsäcke gehüllt auf unseren Campingstühlen und beobachten das traumhaften Himmelszelt, das hier draußen, fernab aller Zivilisation, unendlich erscheint.

In der Früh füllen wir unseren frisch gebrauten Kaffee in unsere Tassen, genießen noch einmal die Küstenlinie, schmeißen uns hinters Lenkrad und weiter gehts zum inoffiziellen Wahrzeichen Tasmaniens: Cradle Mountain! Wir sind schon total aufgeregt und freuen uns nach 2 Tagen Autofahren schon wieder auf das Wandern durch die beeindruckenden Nationalparks dieser naturbelassenen Insel.

die Macht ist mit Manu

 

 

 

achtes Ziel: Stanley und die Nuss

In Stanley machen wir noch einmal Pause und finden einen Hügel vor, der “Nuss” heißt – The Nut. Und tatsächlich hat er etwas von einer halben Walnuss. Wir schleppen uns den steilen Fußweg hinauf und genießen den herrlichen Ausblick auf das weite Meer und die angrenzenden Buchten.

 

neuntes Ziel: Cradle Mountain

Die große Wanderung haben wir uns für den darauffolgenden Tag vorgenommen, damit wir einen kompletten Tag für den berühmten Berg haben. Wir erspähen ihn schon kurz bevor wir am heutigen Nachtlager ankommen, die Vorfreude wächst! Sogar unseren Zeltplatz finden wir hervorragend! Gelegen zwischen einer Schotterstraße, dem Wald und einem abgebrannten Lagerfeuer verbringen wir den Abend neben Ukulele-Spielen und Singen mit dem Umkochen des restliches Letschos in eine Gemüsesauce mit Nudeln und dem Beobachten weiterer Opossom-Besucher. Wir gehen zeitig schlafen, damit wir fit für unsere letzte Wanderung auf Tasmanien sind.

 

 

In der Früh wachen wir auf und sind enttäuscht. Es regnet. Es weht der Wind. Alles ist komplett zugezogen. Nicht schon wieder…

So einfach geben wir aber nicht gleich auf und machen uns auf den Weg in das Besucherzentrum des Nationalparks. Unzählige Menschen tun es uns gleich und warten mit uns das schlechte Wetter ab. Zu Mittag schüttet es immer noch wie verrückt und wir geben auf. Wir sind ja schließlich nicht gekommen um den verregneten Tag im Café zu verbringen und arbeiten uns einen Plan aus. Schließlich ist das Zelt komplett nass und es muss noch trocknen, um für den morgigen Flug zusammengelegt werden zu können.

Unser Plan sieht aus wie folgt: Zum Zelt fahren, Quantität anstatt Qualität beim Abbauen bevorzugen, alles in’s Auto schmeissen und in wärmere Gegenden fahren.

Gesagt – Getan. Den Sieg beim Wettbewerb der schnellsten Zeltabbauer Tasmaniens hätten wir fix in der Tasche gehabt!

 

zehntes (letztes und ungewolltes) Ziel: Devonport

Zurück an der Nordküste bei Devonport lacht uns die freundliche (falsche) Sonne entgegen und wir versuchen gekonnt unsere Enttäuschung zu überspielen. “Wenigstens können wir noch einmal das Zelt zum Trocknen aufbauen…” Ju-hu…

Und da ist er auch schon. Der letzte Tag auf Tasmanien. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit, die wir hier verbracht haben und doch ist es bei Weitem nicht genug. Wir fahren zurück zum Flughafen und verabschieden uns schweren Herzens von unserem treuen Kaiser Franz.

 

“Euer Gnaden, schön war’s!”

 

Info zur zurückgelegten Strecke und zu Tasmanien:

Vom Hartz Nationalpark südlich von Hobart geht es zur Westküste nach Stahan (A), danach weiter in den Norden wo wir bei Corinna (B) jegliche Zivilisation verlassen und diese erst kurz vor Arther River (C) wiederfinden. Motiviert geht es über Stanley (D) zum Cradle Mountain Nationalpark (E), wobei wir gleich wieder nach Devonport (F) flüchten. Danach verabschieden wir uns am Flughafen von Launceston (G) von unserem Kaiser Josef. Teilstrecke von 1040km

 

Insgesamt haben wir auf Tasmanien also mehr als 1670km in 11 Tagen zurückgelegt.

Tasmanien ist mit 68.400 km2 etwas kleiner als Österreich, hat aber viel weniger Einwohner, nämlich nur ca. 515.200. Somit kommen nur 7,5 Menschen auf 1 km2. Kein Wunder also, dass wir zeitweise keine Menschenseele gesehen haben.

Australier machen sich generell gerne lustig über ihre „Tassies“. Sie sprechen von der winzigen Insel im Süden, auf der sowieso jeder verwandt ist und inzucht betrieben werden muss, weil es keine Fremden hinzieht.

Wahrscheinlich spricht da nur die Eifersucht aus ihnen. Tasmanien würde ich als Mischung von Österreich mit Neuseeland beschreiben. Viele Reisende meinten, dass Tasmanien sie an Neuseeland erinnern würde. Das kann ich leider (noch) nicht beurteilen, aber zugweise hat es doch etwas von unserem schönen Österreich gehabt. Ausgenommen der unzähligen niedergefahrenen Wallabys am Straßenrand…

 

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