Mt. Cook und die Sache mit den Gletschern

Unsere Heckscheibe ist also im Eimer. Wortwörtlich. Eigentlich ist sie in einem Plastikbehälter. Das Tape, das wir noch in Wanaka gekauft haben hält sie Plane perfekt am Platz. Diesmal haben wir uns wirklich bemüht, sie faltenfrei anzubringen.

Wir befinden uns wieder auf der Straße. Manu und ich sind sichtlich erleichtert, dass der Schaden leicht reparabel ist und er sich auch preislich eher in Grenzen halten wird. So können wir auch die Vorfreude auf den höchsten Berg Neuseelands ohne schlechten Gewissen ausleben!

Vor dem Lake Pukaki biegen wir links ab. Bäume versperren uns noch die Sicht zum See, aber ein paar Kilometer weiter lichtet sich der Wald. Neuseeland überrascht uns wieder einmal auf’s neue. Das Blau des Sees könnte strahlender nicht sein und der wolkenlose Himmel scheint im Gegensatz dazu fast ausgebleicht zu sein. Im Hintergrund blitzt auch schon Mt. Cook hervor.

Am nächsten Tag fahren wir zeitig zum Parkplatz der Hooker Valleys, dem Tal vor dem Mt. Cook. Es ist ziemlich bewölkt und wir sind etwas enttäuscht. Die Chance auf einen schönen Ausblick zum Berg sinkt gegen Null. Wir probieren es aber trotzdem, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Wir gehen ein Stück des Weges, bis uns ein See zu Füßen liegt. Der See scheint aus Quecksilber zu bestehen. Die tiefliegenden grauen Wolken tragen sicher dazu bei, dass das Gewässer in solch einen Silberton glänzt.

Manu und ich lassen die Wolken nicht aus den Augen. Wir wünschen uns nichts mehr, als dass sie sich doch noch verziehen. Und als ob jemand unser Bitten gehört hätte fangen sie an sich zu bewegen! Sie ziehen sich den Berghang hoch, als ob sie jemand aus dem Tal saugen würde. Und plötzlich entsteht ein Wolkenloch, in welchem die ersten Berggipfel durchscheinen. Es wirkt, als wäre alles inszeniert, als wären die Wolken dazu angehalten worden, nur für uns einen Rahmen zu bilden, um die Gletscher und Gipfel im rechten Licht präsentieren zu können.

Mt. Sefton begrüßt uns mit einem Grollen und Rauschen. Manu und ich blicken uns verdutzt an. Es ist lauter, als wir uns so etwas vorgestellt haben. Ein Schild erklärt uns:

Can you hear the rocks and snow tumbling down from the mountains above? The rushing of water? It is the sound of change – of glaciers retreating and mountains being torn down by water and ice.

In Wanaka hatte ich Zeit mich mit dem Thema Klimawandel zu beschäftigen. Laut dem Buch „Der Klimawandel“, das ich dazu gelesen hatte, sind die Gletscher Neuseelands die einzigen, die in den letzten Jahren noch gewachsen waren. Doch auch sie sollen, lt. dem Buch bald vom Schwinden bedroht sein.

Ich stehe hier, bestaune solch einzigartige Landschaften und kann mich daran nicht erfreuen. Es bricht mir das Herz. Wir sind eine der letzten Generationen, die diese Gletscher noch zu Gesicht bekommen. Die Erwärmung ist bereits so weit fortgeschritten, dass das Schmelzen nicht verhindert werden kann. Genau so wie bereits herausgefunden wurde, dass die Schäden am Great Barrier Reef nicht mehr rückgängig gemacht werden können (Standard Artikel vom 13. April 2017 „Great Barrier Reef: Schnell noch hin, bevor es zu spät ist„)

Wer sich auch zu dem Thema informieren will, dem kann ich das Buch, das ich gelesen habe, sehr empfehlen! Ich habe für mich ein Buch zum Klimawandel gesucht, dass mir das komplexe Thema gut und einfach erklärt, und dass mir erklärt, warum dieser Klimawandel eindeutig vom Menschen herbeigeführt wurde und was der Unterschied zur normalen Erderwärmung bzw. -kühlung (Warmphasen und Eiszeiten) ist. Das alles und noch mehr habe ich in diesem Buch „Der Klimawandel“ von S. Rahmstorf und H.-J. Schellnhuber gefunden.

Wer lieber Dokumentationen schaut als Bücher liest, kann ich die Doku „Before the Flood“ von Leonardo DiCaprio in Zusammenarbeit mit National Geographic empfehlen. Ihr könnt ihn HIER kostenlos ansehen!

Ich denke, es lässt sich nicht mehr ignorieren, dass wir einen gewissen Punkt erreicht haben. Einen Punkt, an dem wir aufwachen müssen. Einen Punkt, an dem wir unter Beweis stellen müssen, dass wir der Verantwortung gewachsen sind, unsere Mutter Erde und all den Lebewesen die auf ihr leben, nicht hängen zu lassen. Einen Punkt, an dem wir erkennen sollten, dass es an jedem und jeder von uns liegt, Änderung zu bewirken.

Lasst uns gemeinsam die Änderung sein!

 

Auf dem Schild im Hooker Valley steht weiter geschrieben:

Signs of change are all around you. A hundred years ago the Mueller Glacier filled the valley floor. You could have walked onto the glacier from near herer. Today the glacier is all but hidden up the valley. Glacial ice left behind is still visible at the far end of the lake. Piles of rock rubble (moraine) dropped by the glacier mark ist past extent.

Signs of change are all around you.

Ich erinnere mich zurück an all die gefallenen Regenwaldbäume, die für die Palmölplantagen in Sabah weichen mussten, an all die Fische und Korallen, die im Müll im Meer rund um den Nationalpark der „Deer Island“ dahinvegetieren müssen. Ich denke an die überforderten Naturvölker in der Nähe Sempornas, die sich dem Tourismus angepasst haben. Ich denke an die Aborigines in Australien, die meist der Spiel- oder Alkoholsucht verfallen und an alle Maori, die ihr Land an die Weißen abgeben mussten. Ich gedenke all der Tiere, die bereits von uns Menschen ausgerottet wurden und all der Pflanzen, die im Laufe der Zeit verloren gegangen sind.

„… Zu den ersten Betroffenen gehört die alpine Flora und Fauna, die auf den Bergspitzen wie auf kleinen Inseln der Kälte in einem Meer der Wärme die Warmphasen überlebt und auf die nächste Eiszeit wartet. Diese Arten können sich nur in die noch größeren Höhen zurückziehen – bis sie den Gipfel erreichen und „in den Himmel kommen“, wie der österreichische Biologe Georg Grabherr es ausdrückte. …“

Auszug aus dem Buch „Der Klimawandel“

 

Ich stehe hier im Valley, die Gletscher hoch über mir und kann mich an der Schönheit der Landschaft nicht erfreuen, obwohl sich die Wolken doch so bemühen, das Bild der Berge zum Scheinen zu bringen.

Manu und ich gehen weiter, die Sonne nimmt überhand und der Mount Cook leuchtet hervor.

Am Hooker Lake angekommen können wir das Gesicht erkennen. Mr. Cook scheint nicht recht erfreut. Er scheint der Menschen müde zu sein. Ich kann’s ihm nicht verübeln.

 

Habt ihr euch schon mit dem Thema „Klimawandel“ auseinandergesetzt? Welche Bücher habt ihr dazu gelesen, welche Dokus könnt ihr noch empfehlen? Welche „Zeichen des Wandels“ habt ihr schon entdeckt? Lasst es mich gerne wissen!

 

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