Von Schrulligem und Wundervollem in Akaroa

Am späteren Nachmittag haben wir Jule abgeholt und da unsere Motivation unendlich ist, fahren wir noch am selben Abend von Christchurch 90km bis nach Akaroa. Die Stadt liegt auf einer Halbinsel namens Banks Peninsula direkt an einer riesigen Bucht, die wie ein See wirkt.

Wir kommen spät abends an und wollen wie auch schon auf Tasmanien auf einem Gratis-Campingplatz übernachten. Beim Einparken bekommen wir gleich die Frage “Are you self-contained?” an den Kopf geworfen. Wir wissen nur leider nichts damit anzufangen und werden aufgeklärt. Die meisten Free-Campinggrounds dürfen nur von sogenannten “Selbstversorger-Camper” benutzt werden. Das bedeutet, man muss gewisse Vorkehrungen am Auto getroffen haben, wie beispielsweise genügend Wasser für alle Mitfahrenden, eine Dusche, ein WC und vieles mehr. Anschließend wird das Fahrzeug daraufhin kontroliert und man bekommt einen Sticker mit dem Zeichen für “self-contained”.

Manu und ich fühlen uns etwas vor den Kopf gestoßen. Ist Jule doch nicht so perfekt wie wir dachten? Waren wir doch zu naiv?

Wir sind beide der Meinung, dass wir uns heute nicht mehr allzu hineinsteigern sollten und einfach mal darüber schlafen sollten, immerhin ist es schon spät. Da wir auch eine Strafe vermeiden wollen, fahren wir noch auf einen naheliegenden Campingplatz und verbringen die Nacht dort.

Am nächsten Tag sieht zum Glück alles wieder ganz anders aus. Manu recherchiert etwas und entdeckt auch Campingplätze, die normale Vans benutzen dürfen. Wir sind also nicht gezwungen, unsere Jule für viel Geld neu auszustatten und begutachten zu lassen.

Es ist leider ziemlich bewölkt, und so machen wir einen kleinen Spaziergang vom Campingplatz hinunter in die Stadt. Wir gönnen uns in einem netten Café einen Chai Latte und Karottenkuchen, bevor wir am Strand entlang spazieren und die riesigen Passagierschiffe, den Pier und den Leuchtturm bestaunen.

Am Weg zurück zum Campingplatz kommen wir an einem schrulligen Häuschen vorbei. Eine verwitterte Schaufensterpuppe wird gerade aus ihrer Hängematte an der Giebelwand herausgeholt. Der Mann bemüht sich, doch leider fallen die Beine von der Hüfte ab. Wir lachen “Enough of hanging around?”. Sie bitten uns in den Garten und wir entdecken noch mehr lustige Dinge. Ein Holztisch, der übersät mit Bierkapseln ist, ein altes Telefon, das von der Wand hängt und hinten ziehrt ein nackter Oberkörper einer weiteren Schaufensterpuppe einen Strauch. Sie fragen uns, ob wir nicht die Wand signieren wollen. Die was? Die Frau begleitet uns ins Haus. Es riecht nach Räucherstäbchen und Musik von den Beatles schallt durch den Raum, dessen Wände voll mit Unterschriften und kleinen Zeichnungen ist. Wir sollen uns ein freies Fleckchen suchen und bekommen einen Edding in die Hand gedrückt. Leichter gesagt als getan, die Wände sind bereits voll beschrieben. Wir finden aber doch noch ein kleines Plätzchen zwischen Kamin und Buddhastatue. Ein Ziege mit Sonnenbrille und Pfeife lacht von der Wand, als ich mich auf den Boden lege und los schreibe.

 

Wir gehen zeitig schlafen, wir wollen am nächsten Tag wieder einmal wandern gehen. Um 8 Uhr früh geht es von Akaroa aus los. 2 Stunden geht es für uns eine Straße entlang nur bergauf, einige Autos überholen uns dessen Insassen uns munter anlachen. “Die haben’s gerne einfach.”, muntern wir uns auf. Kurz vor’m Gipfel gibt es einen Parkplatz, wo wir unser mitgebrachtes Frühstück bei Ausblick zum Meer genießen.

kurz haben wir Angst, wir hätten uns verlaufen und seien in Österreich gelandet…

 

immer bergauf… es scheint hier oft windig zu sein!

 

der Horizont des Meeres verschmilzt mit dem Himmel, mein Lieblingsausblick

 

Gestärkt geht es die letzte Etappe zur Bergspitze weiter, die 806m über dem Meer liegt. Wir sind mächtig stolz auf uns, als wir sie erreichen. Der grandiose Ausblick über die Stadt und über die Bucht entlohnt mehr als erträumt.

Wir steigen auf der anderen Seite des Berges einen Wanderweg hinab. Die Wolkendecke ist mittlerweile aufgerissen und es wird warm. Entgegenkommende Wanderer quälen sich bergauf. Unser Blick ist immer in Richtung Bucht gerichtet und wir sind froh, dass wir das Schlimmste hinter uns haben und nun das Bergabgehen genießen können.

Um 2Uhr nachmittags sind wir zurück in der Stadt nutzen den Montag um die restlichen offiziellen Angelegenheiten für unser Auto zu erledigen. Neuen Besitzer anmelden, 3rd-Party-Versicherung abschließen und 5000km kaufen. Da Jule einen Dieselmotor hat, muss man für gefahrene Kilometer extra Gebühren zahlen. Benzin ist dafür umso teurer beim Tanken und es kommt ziemlich auf’s Selbe raus. Fahren ist in Neuseeland leider nicht günstig.

Nach einer guten Jause am Strand verabschieden wir uns auch schon von Akaroa, es geht weiter in den Süden. Hoffentlich finden wir ein paar Pinguine und Seelöwen… 🙂

 

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