Semporna – Stadt mit den tausend Inseln

Eigentlich sind es nur knapp über 40 Inseln, aber wer wird schon zimperlich sein… Gefühlsmäßig sind es tatsächlich tausende unterschiedliche Inseln vor der Küste der Stadt.

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Semporna selbst hat nicht viel zu bieten. Sie wurde erst 1887 gegründet, nachdem man einen Stützpunkt für die Strafverfolgung von Piraterie gesucht hatte. Auch heute ist tatsächlich Piraterie noch aktuell.

Das Außenministerium von Österreich schreibt dazu: „In den Küstenregionen östlich von Lahad Datu, um Semporna und auf den im Grenzgebiet zu den Philippinen vorgelagerten Inseln sowie in den übrigen östlichen Gebieten von Sabah, wie Tawau, Sandakan und Sepilok wird erhöhte Vorsicht angeraten. Trotz verstärkter Präsenz von Sicherheitskräften besteht vor allem bei Nacht die Gefahr von Überfällen bzw. Entführungen durch bewaffnete Gewalttäter aus den südlichen Philippinen. Anweisungen der Sicherheitskräfte sollte unbedingt Folge geleistet werden. 2013 und 2014 kam es zu Entführungen aus Urlaubsresorts (Pom-Pom Insel und Singamata Reed Resort) durch Bewaffnete mit einem Todesopfer.“

Verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften heißt hier vor allem, dass auf jeder noch so kleinen Sandhaufeninsel mindestens 2 bewaffnete Marine-Soldaten von Malaysia in einer Holzhütte mit Tarnnetz stationiert sind. Diese besetzen die Inseln und beschützen diese vor philippinischen Angriffen, melden bei Sichtung eines der philippinischen Schiffe an den Sitz in Semporna und registrieren die touristischen Besucher. Fotografieren darf man sie nicht. Einmal haben sie uns auch vorgeschrieben, dass wir weder sie noch die Insel fotografieren dürfen.

Auch wenn man sich etwas „sicherer“ fühlt, sofern man dieses Wort in der Nähe einer Waffe überhaupt verwenden kann und soll, ist alleine die Präsenz sehr gewöhnungsbedürftig. Ich als „Westlerin“ bin es nicht gewohnt, im Bikini am Traumstrand zu liegen, wissend, dass hinter mir im Gebüsch ein getarnter Soldat mit einer riesigen Waffe hockt. Wir wurden aber bereits vor Ankunft von anderen Backpacker vor dieser Skurrilität gewarnt.

Als wir also während unseres ersten Tagesausfluges auf der ersten Insel Mataking ankamen, waren wir nicht sonderlich überrascht, Soldaten zu sehen. Die Farben- und Artenvielfalt der Unterwasserwelt hingegen hat mich umgehauen. Das Gefühl im Wasser zu schweben, umgeben von bunten Fischen und Korallen, weißem Sand und türkisem, kristallklarem Wasser war etwas ganz neues für mich. Ein Gefühl, das süchtig macht.

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Auf Pandanan Island habe ich beim Schnorcheln zum ersten Mal eine wilde Wasserschildkröte gesehen. Als ich sie erblickte, hat mein Herz kurz ausgesetzt, ich hatte nicht gerechnet, in diesem seichten Gewässer eine so große Schildkröte zu Gesicht zu bekommen. Sie hat gemütlich an Seegras geknappert. Meine Störung hat mir wirklich leid getan, aber ich konnte nicht anders, als mich langsam auf sie zu bewegen, um sie besser zu sehen. Sie hat kurz aufgeblickt und ist weggeschwommen. Ich habe sie im Abstand von 2m etwas verfolgt, sie war aber viel zu schnell für mich. Ich habe ihr aber noch verträumt nachgesehen, als sie in den blauen weiten des Meeres verschwunden ist. Ich habe das ganze mit meiner Kamera gefilmt, ihr könnt euch das ganze hier auf Instagram ansehen!

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Die letzte Insel des Tages war Timba Timba. Auch hier war die Korallenwelt äußerst bunt. Hier haben mich vor allem die Seesterne fasziniert. Irgendwie sehen die ja giftig und aus Plastik aus.

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Am Abend haben June und ich beschlossen, dass wir noch lange nicht genug von den Inseln hier haben. Am nächsten Morgen sind war also mit dem Speedboat zur Mabul Island gefahren. Auch dort und am Nachbarkorallenriff Kapalai haben wir geschnorchelt und gestaunt.

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Am dritten Tag in Semporna wollten wir einmal etwas verschnaufen und unserer Haut von der vielen Sonne etwas Ruhe gönnen. Unser Hostelbesitzer Andy hat uns daher zum Schulausflug seines Sohnes Gerry eingeladen. Wir haben uns sehr über diese freundliche und familiäre Geste gefreut und dankend zugesagt. June und ich starteten etwas früher als die Schulklasse mit der Wanderung auf den Berg, um das Vater-Sohn-Erlebnis nicht zu stören. Wir hatten also auch Zeit, noch vor der Ankunft der vielen Schüler der International School aus Tawau, den herrlichen 360-Grad-Ausblick zu genießen.

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Für den 4. Tag haben wir uns wieder für einen Tagesausflug entschieden. Dieser Ausflug schien uns der schönste zu sein, wir wollten uns diesen eher für den Schluss aufheben. Wir wurden nicht enttäuscht! Los ging es allerdings nicht so lustig. Es stand ein Besuch beim Bajau-Stamm an. Ich halte generell ziemlich wenig von diesen menschlichen Zoo-Erlebnissen. Da es aber Teil der Tour war, konnte ich mich dem nicht entziehen.

Wieder einmal mehr wurde mir wurde mir der grässliche touristische Einfluss auf indigene, ethnische Völker vor Augen geführt. Als wir mit unserem Boot in der Bucht der Bodgaya Insel ankamen, wurden wir von kleinen Holzbooten mit jeweils zwei Kindern, die verzweifelt und aggressiv sangen, umzingelt. Sie drängten an unser Boot. Holzboote mit jüngeren Kindern wurden zur Seite geschupst und weggedrängt. Die Kinder stützten sich an den Rand unseres Bootes und hielten uns die fordernde Hand in das Gesicht. Lachende, chinesische Touristen teilten Süßigkeiten aus. Auch Andy hielt uns ein kleines Säckchen mit Keksen entgegen. Ich nahm ein paar heraus, und versuchte sie den kleineren zu geben. Aber keine Chance, die stärkeren drängten sich dazwischen. Immer mehr Holzkanus umgaben unser Boot. Ich konnte mich nur mehr dem schrägen Schauspiel unterwerfen und sah geschockt zu. Die Kinder hatten schlechte Zähne, es schien, als wären sie süchtig nach den Süßigkeiten. Die Burschen rissen mit ihren Zähnen die Süßigkeitenverpackungen auf, spuckten das Plastik ins Wasser und mampften die Zuckerl. In der Ferne sah ich weiter umzingelte Touristenboote. Immer mehr trafen ein, um sich „diese Naturmenschen“ anzusehen. Unser Kapitän schrie kurz etwas auf malayisch und wir fuhren weiter.

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Das war also unser „Besuch“ beim Stamm. Ich habe nachgelesen, das Thema lies mir wieder einmal mehr keine Ruhe. „Bajau“ ist ein Überbegriff der auf dem Wasser lebenden Ethnien. Ursprünglich kommen diese Völker aus dem Süden der Philippinen und lebten ausschließlich auf größeren Booten am Meer, die sie nur zum Holzsammeln verließen. Aufgrund der Diskriminierung der Filipino und der Nicht-Anerkennung der Staates als Nomadisches Volk, flohen diese in die malaysischen und indonesischen Nachbargebiete. Dort lebt der Großteil heute noch auf Stelzenhäusern im Wasser, quasi als Mittelweg zwischen ihrer Tradition als „Wassernomaden“ und der Forderung der Regierung, sich auf dem Land niederzulassen. Sie besitzen keinen Pass oder eine IC-Card, wurden aber bei der Volkszählung Sabahs 2010 berücksichtigt. Die Bajaus dieser Region machen 14% der Bevölkerung aus! Sie können nicht legal arbeiten, verkaufen aber Fisch, Meeresfrüchte und Perlen auf den Märkten der Städte in der Umgebung. Durch die Touristen bekommen Kinder Süßigkeiten und manchmal bekommen die Erwachsenen etwas Kleingeld, für den Kauf von Gütern in der Stadt. Ob der Stamm für den „Besuch“ der Touristen bezahlt wird, habe ich nicht heraus gefunden.

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Weiter ging es an diesem Tag zur Nachbarinsel Bohey Dulang zum Wandern. Ein kurzer aber dafür steiler Weg führt zum 600m über dem Meer liegenden Spitze. Die Aussicht ist grandios, der ganze Sea Marine Park kann von hier aus überblickt werden. Der Park ist seit 2004 als Schutzgebiet ausgewiesen, es müssen 10 Ringgit (ca. 2,50€) pro Person als Eintritt gezahlt werden.

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Nach dem Mittagessen geht es zum Abkühlen zu den kleinen Nachbarinseln Mantabuan und Sibuan um zu baden und zu schnorcheln. In letztere haben June und ich uns auf den ersten Blick verliebt!

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schwarzer Clownfisch

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Den letzten und 5. Tag wollten wir dementsprechend gebührend ausklingen lassen. Wir hatten uns in den Kopf gesetzt, den Tag auf unserer Lieblingsinsel Sibuan zu verbringen. Leichter gesagt, als getan. Taxiboote oder Fähren zu den Inseln gibt es nicht. Ausschließlich die „Tauch- und Schnorchelanbieter“ bringen Touristen zu den Inseln. Unser Hostelbesitzer Andy hat uns dankenswerterweise geholfen, eine der Firmen zu überreden, uns in der Früh mit einer Tagestour-Gruppe auf die Insel mitzunehmen und abends wieder mit einer anderen Gruppe abzuholen. Es haben sich wirklich alle sehr bemüht, um unseren Wunsch zu erfüllen. Die Firma hat sogar dementsprechend die Touren umgeplant, damit es möglich war. Das hatte dann natürlich auch seinen Preis. Wir mussten den ganz normalen Tourpreis zahlen. Wir wussten aber, dass sich die Chance auf eine einsame Insel mitten im Meer nicht mehr so schnell wiederholen würde. Also gönnten wir uns dieses einmalige Erlebnis.

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Wir träumten schon von einer einsamen Insel – nur wir, das Fischparadies Unterwasser und ein paar Marineoffizieren, die uns beschützten. Aber die Realität ist dann manchmal doch etwas anders…

Kurz nachdem die Gruppe zur nächsten Insel weitergezogen war, scharrte sich eine Malaysische 14-köpfige Familie, die hier Urlaub machte, um uns. Der Strand war weit und breit menschenleer, wir verstanden also nicht, warum sie sich ausgerechnet 2m neben uns legen mussten. Nachdem sie ihre Smartphones ausgepackt hatten, mussten wir bescheid. Wieder einmal waren 2 weiße, westliche Frauen im Bikini, die eine blond, die andere brünett, ein größeres Ereignis als die traumhafte Umgebung. Wir baten sie freundlich, aber bestimmt, keine Fotos von uns zu machen und etwas mehr Abstand zu halten, um uns etwas Privatsphäre zu gönnen. Bis die komplette Gruppe sich weiterbewegt hatte, vergingen 15 Minuten, danach hatten wir aber Ruhe. So hofften wir.

Kurz darauf kamen 3 junge Burschen und ein etwas älterer zu mir in den Schatten, June lag in der Sonne. Sie starrten mich an. Einer hielt mir eine Kokosnuss her, ich nickte. Ein vielleicht 7jähriger packte ein riesiges Messer aus und öffnete meine Nuss geschickt. Ich staunte nicht schlecht. Ich gab ihnen etwas Geld. Der älteste Bedankte sich mit einem Nicken. Noch immer starrten sie mich an. Ich bot ihnen noch Kekse an, die sie liebevoll untereinander aufteilten. Ich fragte, ob ich ein Foto machen dürfte. Sie nickten grinsend.

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Als ich auf dem Foto dann aber ihre ernsten Blicke sah, wurde mir erst bewusst, wer diese Jungs waren. Die mussten doch von einem der Bajau-Stämme kommen. Das würde einiges erklären. Ich wirklich liebevoller Umgang untereinander, das faire teilen, die Geschicktheit mit Messern, und vor allem: keine Smartphones, die Fotos von uns machten! Immer mehr Kinder scharrten sich um uns, sie teilten die Kekse auf, June gab ihnen noch etwas Kuchen, den sie Stückchenweise gemeinsam aßen. Als sie gemeinsam den Strand hinunterliefen winkten sie uns alle noch einmal zu. Ich denke, sie gingen zu den anderen Touristenbooten, um dort die restlichen Kokosnüsse für etwas Geld zu verkaufen.

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Auch dieser Tag verging leider viel zu schnell, bald darauf wurden wir abgeholt. Wir bedankten uns ganz herzlich bei den Mitarbeitern der Firma, die sich so um uns bemüht hatten. Kurz darauf mussten wir uns auch von Andy und seiner lieben Familie verabschieden. In den letzten Tagen hatte es sich wirklich wie eine kleine heimelige Gemeinschaft angefühlt.

June, Andy, sein Sohn Gerry und ich am Berg Bukit Tengkorak

June, Andy, sein Sohn Gerry und ich am Berg Bukit Tengkorak

 

Semporna hat uns wirklich imponiert, die Freundlichkeit der Menschen und die Schönheit der Natur ist wirklich etwas besonderes. Es war auch hier nicht immer einfach, mit der Neugierde der einheimischen Menschen auf uns und deren Motivation uns heimlich und „unauffällig“ abzulichten, umzugehen. Trotzdem haben wir es sehr genossen, wer Sabah besucht, sollte diesen wunderschönen Teil des Landes auf jeden Fall erleben!

 

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