Endlich Orang Utans!

Nach einer 7stündigen Fahrt quer durch den Dschungel von Kota Kinabulo nach Sandakan erreichen wir mitten in der Nacht die Küstenstadt. Die Fahrt war sehr unbehaglich. Der Busfahrer hat wieder einmal mehr gezeigt, dass er die Aircondition für eine wundervolle Erfindung hält und hat sie auf gefühlte 18 Grad eingestellt. Wenn man von den 32 Grad draußen kommt, haut es einen da schon einmal um. Aber wenn man 7h auf seinen Sitz ohne Bewegung ausharren muss, und nicht einmal mehr eine dicke Weste, dicke Socken und ein Schal ausreichen, wird es wirklich bitter kalt. Ich schreibe diese Zeilen also verschnupft, niesend und rötzelnd.

Man kann sich also denken, wie groß die Freude war, als wir eindlich angekommen sind. Nach kleinen Unstimmigkeiten mit einem Taxifahrer betreffend passendem Preis sind wir endlich um 22:00 im Hostel angekommen. Ich glaube der Hostelbesitzer hat uns unsere schlechte Laune sofort angekannt und hat gleich einem Rabatt für den Zimmerpreis zugesagt.

Nachdem wir ausgeschlafen haben und uns einen Tag Ruhe gegönnt haben, den wir mit Schreiben verbracht haben, wollte ich am darauf folgenden Tag unbedingt wieder etwas unternehmen. Und was liegt in Borneo näher, als den Orang Utans einen Besuch abzustatten.

Gesagt, getan.

Um 9:00 hab ich den öffentlichen Bus nach Sepilok genommen, wo sich das Orang Utan Care Center befindet. Dieses ist insofern ein ganz besonderes Zentrum für die Affen, da sich diese nicht in einem geschlossenen Reservat befinden, sondern dort ganz normal im Dschungel leben. Das Zentrum bietet nur eine Plattform für Besucher, sich den natürlichen Lebensraum der Tiere anzusehen und die Orang Utans selbst bei der Fütterung zu beobachten. Die Tiere können also kommen und gehen wie sie wollen.

Stege und Brücken führen quer durch den Teil des Dschungels. Die Wärter achten pingeligst darauf, dass keiner der Personen in die Versuchung kommt, die Affen zu berühren. Eine andere Art Primat ist am Geländer des Steges entlang gelaufen. Einer der Wärter hat sich sofort in seine Richtung begeben, nur um die Menschen zurück zu halten. Der Affe durfte machen, was immer er wollte. Es ist den im Zentrum arbeitenden Personen extrem wichtig, dass die Tiere so wenig Kontakt wie möglich mit dem Menschen haben.

Das merkt man auch an der Fütterung selbst. Um einen Baum herum wurde eine Plattform aus Holz errichtet, diese ist mit Seilen zu anderen Bäumen in der Umgebung verbunden, an der die Affen klettern können. 5 Minuten vor 10:00 fängt es dann rund um uns in den Büschen und in den Ästen zu rascheln an. Einige komische Laute sind wahrzunehmen, mich erinnern sie etwas an das Quietschen von Schweinen.

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Und auf einmal begibt sich der erste Orang Utan auf die Plattform. Es ist ein Weibchen, an deren haarigem Bauch sich ein kleiner Baby-Orang Utan klammert. An den Seilen klettern wie verrückt andere Affen-Arten in Richtung der Futter-Insel. Und plötzlich erscheint noch ein zweiter Orang Utan! Die anderen Äffchen wahren respektabel Sicherheitsabstand zu den großen Orang Utans. Aus dem Busch kommt nun auch der Wärter mit einem riesigen Korb auf dem Rücken. Er klettert auf die Plattform und leert den Korb aus. Er verteilt das Obst und die Blätter gleichmäßig auf den Holzbohlen und tritt nach hinten. Er hält immer min. 1m Abstand zu den Tieren ein.

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Die Orang Utans greifen kräftig zu. Die kleineren Äffchen warten noch etwas. Wenn einer der großen, orangen Orang Utans mal nicht genau schaut, stipitzt sich einer der Äffchen eine Banane und frisst diese freudig gierig auf. Immer mehr verschiedene Äffchen kommen an den Seilen angeklettert. Überdreht necken sie sich gegenseitig.

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Bevor die Menschenmasse geschlossen weiterzieht, dränge ich mich durch und laufe gemütlich weiter zur Open Nursery. Auf den Weg dahin bemerken einige Besucher und ich einen weiteren Orang Utan auf einen Baum kletter. Es ist wirklich erstaunlich, wie diese doch nicht so kleinen Wesen leichtfüßig und gekonnt den Stamm hinaufkaxeln und dann von Ast zu Ast springen.

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Ich folge weiter dem Steg bis zur Aufpeppel-Station. Besucher werden in ein Gebäude gebeten, dessen vordere Front komplett aus Glas besteht. Davor sieht man gleich die jüngeren Orang Utans miteinander spielen und tollen. Ich setze mich auf den Boden, direkt vor das Fenster. Mit meiner Nase klebe ich die nächste Stunde wie gebannt an der Scheibe und beobachte die Affen. Sie schwingen am Klettergerüst herum, seilen sich ab, klettern auf Trämen herum und laufen über Brücken aus alten Autoreifen. Auf dem Boden rennen sie herum und schlagen Burtzelbäume. Einer schnappt sich ein paar Steine und schlägt damit auf dem Holz herum bis es ihm zu dumm wird und die Steine durch die Gegend wirft.

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Pünktlich um 10:30 bekommen die Kleinen ihr Essen. Sie stürtzen sich darauf und streiten sich um das Wurzelgemüse. Einer ist besonders klug und knabbert alle die er griegen kann einmal an und lagert sie zwischen seinen Beinen. Als die anderen aufgeben oder sich auf dem Gelände wieder verteilen, futtert er alles auf.

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Ein anderer Affe sieht ziemlich dürr und abgemagert aus und hat außerdem fast keine Haare. Ich bekomme erklärt, dass dieser Affe Malaria hatte, er aber mittlerweile auf dem Weg der Besserung ist, da er wieder fressen kann. Ein anderer Affen-Junge zwingt ein viel kleineres Affen-Mädchen mit seinem Pullermann zu spielen, bis ein älterer Affe das bemerkt und wutentbrannt den Affen-Jungen schnappen will. Dieser läuft aber gewitzt davon und wartet kurz, ob ihn der andere jagen will. Als der ältere Affe in fast erwischt hat und ihm am Bein packen will hüpft dieser wieder vergnügt weiter. Alle Zuschauer lachen aus vollstem Halse.

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Schön langsam verschwinden die jungen Orang Utans wieder. Ein paar klettern in den Dschungel zurück, einer macht es sich in einer aufgehängten Schlaufe bequem und wir werden zum Augang gebeten. Das Zentrum schließt über Mittag. Am Nachmittag finden die Fütterungs-Schauspiele noch einmal statt.

Ich begebe mich nach draußen und gehen 25 Minuten lang zur nächsten Attraktion weiter, dem Rainforest Discovery Centre. Am Eingang warten gerade 3 jüngere Männer. Sie fragen mich, ob ich denn alleine unterwegs sei und meinen, dass ich mich ihnen gerne anschließen könnte. Sehr gern! 2 von Ihnen sind aus Ipoh, der Dritte kommt aus Penang. Sie freuen sich sehr darüber, dass ich dort schon war und es mir so gefallen hat.

Wir marschieren gemeinsam durch die vorgegebenen Wege und Stege durch den Dschungel. Die Pfade sind weitläufig. Man könnte Stunden dort verbringen! Vor besonderen Bäumen und anderen Pflanzen steht ein Schild mit der Beschreibung. Ein Steg führt 10-12m über dem Boden quer durch die Baumkronen. Noch besser kann man die Aussicht auf den Türmen dazwischen genießen.

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Immer wieder machen bunte Schilder darauf aufmerksam, dass man leise sein soll, damit man die Vogelvielfalt hören und auch sehen kann. Wir konnten große, schwarze Eichhörnchen, kleine Spechte und eine Flug-Eidechse bewundern. Kurz vorm Eingang gibt es noch einen besonderen Garten mit verschiedensten Gewürz- und Orchideenpflanzen, ein paar Bonsaibäumen und anderen wunderschönen Blumen.

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Die Jungs bieten mir an, dass sie mich mit zurück nach Sandaken nehmen, sie sind wirklich sehr nett und freundlich! Beim Zurückfahren machen wir zum Mittagessen in einem malaysischen Restaurant halt. Da es nicht wirklich etwas vegetarisches gibt, bekomme ich eine besondere Gemüsesuppe mit Ingwer und dazu Reis. Es schmeckt wirklich fantastisch. Die drei Malayen gönnen sich Hähnchen mit Gemüse und Reis. Sie bestellen außerdem eine besondere Nachspeise für alle: eine mit einem grünen Reisteig eingehüllte Banane, darüber eine Art feinen Reisgrieskoch und Wassereis mit einer roten süßen Soße. Es schmeckt wirklich gut! Sie erzählen mir, dass zwei von ihnen schon über 30 sind, verheiratet sind und Kinder haben. Asiaten haben wirklich ganz besondere Gene, ich hätte sie auf 26-27 Jahre geschätzt. Der, den ich als Ältesten eingeschätzt hätte, ist tatsächlich gleich alt wie ich, 24. Was ein Bart alles ausmachen kann… Sie bringen mich zum Hostel zurück und ich bedanke mich ganz herzlich! Ich freue mich wirklich immer über so nette Bekanntschaften!

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Den restlichen Nachmittag gönne ich mir wieder etwas Ruhe im Hostel, denn am nächsten Tag geht es für 3 Tage in den richtigen Dschungel!

 

Habt ihr schon einmal Orang Utans gesehen? Habt ihr sie auch so toll gefunden wie ich?

 

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