Travel Blues in Brisbane

Der Flug von Melbourne zeigt mir wieder einmal, dass man vermeintlich denken kann, was man oft macht, müsse man ja bereits können. Weit gefehlt.

Das weiß man aber erst, wenn man dann am verzweifelt Helpdesk steht, weil weder das Online-Check-In noch das Einchecken am modernen Touch-Screen am Flughafen funktioniert hat. Die Dame hinter dem Schalter schaut mich mitleidig an “Oh Honey (Ich liebe die Nähe, die Australier nach 5 Sekunden aufbauen), you have your flight next month!” Wirklich? Ich habe im Ernst meinen Flug, der eigentlich für den 8. Februar gedacht wäre, für den 8. März gebucht?? Ich checke meinen Mail-Ordner. Tatsächlich. 8.3.2017. Imaginär schlage ich mit meinem Schädel an die Wand.

Imaginär hör ich auch ganz plötzlich wieder auf, weil es mir schießt, dass ich ja bei der selben Airline für eine Woche später noch einen Flug gebucht habe. Meine Augen fliegen über das Handy-Display. Imagination ist zu wenig, ich schlag mir nun wirklich mit der Hand auf die Stirn. Auch den zweiten Flug habe ich für März gebucht. Die Stuardess schaut mich mit dem mitleidigsten Blick an, den ich je gesehen habe… “Oh Sweety, you did it twice?” Jap, Sweety hats geschafft.

Trotzdem muss ich lauthals lachen. Ich rechtfertige mich, dass der Februar ja nur 28 Tage hätte, und mir es deshalb bei der Buchung nicht aufgefallen sein muss, da ja sogar der Wochentag gestimmt habe. Jaja. Ich kann mich noch erinnern, 4 Tage zuvor habe ich “gach” einmal 3 Flüge gebucht. Das geht ja so halb nebenbei. Hab das ja jetzt schon gefühlte 50 Mal gemacht!

Musste ja so kommen.

Die Frau vom Bodenpersonal hilft mir die Umbuchung zu regeln. Da mein bevorzugter Flug in 2 Stunden ist, und ich nicht noch einmal nach Melbourne zurückgondeln möchte, wenn ich schon mal am Flughafen bin, kostet mich der Spaß weitere 160$. Was kostet die Welt?

Einen Gepäcks-Scan und einen starken Kaffee später sitze ich in der Lounge und warte auf die Anzeige der Gate-Nummer. Es dauert, sie zögern es bis 5 Minuten vor dem Boarding hinaus. Als ich endlich am Gate ankomme, weiß ich auch warum. Sie wollen, dass alle Gäste gleichzeitig kommen, damit schön gemütlich eine Handgepäcks-Wiegekontrolle durchgeführt werden kann. Honey hat heute keinen guten Tag, wie es scheint.

Ich weiß, dass mein Handgepäcksrucksack etwas über die Strenge schlägt und genau das kostet mich weitere 46$. Der Tag will und will nicht in die Gänge kommen.

Der Flug vergeht reibungslos und 2 ½ Stunden später lande ich in Brisbane. Zug in die Innenstadt, 500m zu Fuß – endlich im Hostel angekommen. Keine Lust auf Irgendwas.

Ich weiß aber, dass ich nicht lange hier bleiben möchte und zwinge mich in die Innentadt. Und da überkommt es mich dann auch – wieder eine Stadt… Die Lust am Neuen verfliegt, vielleicht weil jedes Neue doch wieder das Gleiche ist? Ich habe es schon am Ende der Great Ocean Road befürchtet, aber nun hat es tatsächlich zugeschlagen wie ein Blitz.

Travel Blues.

Ja, dafür gibt es einen eigenen Namen im Kreise der Reisenden. Und ich wusste, dass es ihn gibt und war deshalb auch bewusst langsam gereist. Aber manche Sachen schlagen einfach ohne Erbarmen zu. Von Hinten. Mit einem Stuhl.

Ich sitze im botanischen Garten und versuche einfach das Vogelgezwitscher und meinen Bagel mit Avocado, Salat und getrockneten Tomaten zu genießen. Als ich die Köstlichkeit verspeist habe gehe ich ein Stück zum Brisbane River weiter. Ich setze mich auf eine Bank, ein Mann mittleren Alters gesellt sich zu mir. Er kommt aus Adelaide und ist für einen Auftrag zur Stadtplanung eingeflogen. Wir quatschen etwas über die Einbeziehung der Natur in die Stadtauslegung und wir kommen zum Stadtbild Brisbanes. Er empfiehlt mir den Ausblick auf die Stadt vom Coot-Tha Mountain. Ich bedanke mich für den Tipp, so richtig Lust auf einen weiteren Ausblick über eine weitere Stadt habe ich aber eigentlich so gar nicht.

 

Ich schlendere ins Hostel zurück, schmeisse mich auf die Couch und schaue stumpfsinnige Fernsehsendungen. Am Abend gehe ich zum Asiaten um die Ecke, esse Avocado-Maki und gebratene Nudeln mit Gemüse. Maki helfen sonst eigentlich immer bei mieser Laune. Nicht diesmal.

Am nächsten Tag schlafe ich bis Mittag. Wozu aufstehen? Ich locke mich selbst aus dem Haus indem ich meinen Hunger mit den berühmten South-Bank-Park verbinde. Ich gehe dort hin, setze mich in ein nettes Lokal und bestelle mir einen Falafel-Wrap. Während ich darauf warte sehe ich den Kindern beim Spielen am nebengelegenen Spielplatz zu. „Die haben‘s gut, die haben immer Spaß, auch wenn es zum hundertsten Mal derselbe Spielplatz ist…“ Ich verspeise meinen Wrap und ziehe weiter.

Brücken, Straßen, Häuser, Bäume, noch mehr Straßen, noch mehr Häuser.

South Bank mit dem frei zugänglichem Stadtpool mit Strand

 

Am Abend gibt es im Hostel eine Sammelbestellung für Pizza. Einzige vegetarische Option ist eine Käse-Knoblauch-Pizza. Seufz. Nagut. Wenn mir jemand vorher gesagt hätte, dass die eine Mayonnaise-Grundlage anstatt Tomatensauce hat, hätte ich es gleich gelassen. Ich leg mich wieder hin.

Ich schaffe es wieder erst zu Mittag aus dem Bett. Ein französischer Zimmerkollege fragt mich, was ich so vor habe. „Nicht wirklich viel, aber ich würde gern noch auf den Mt. Coot-Tha wandern.“, lüge ich uns beiden etwas vor. Er ist ganz motiviert und will mitkommen. Ich denk mir nur, dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, wenn ich mal wieder raus komme.

Eine Stunde später gehen wir auch schon in die Innenstadt, steigen in den Bus 471 und fahren eine halbe Stunde in Richtung Birdwood, das angrenzende Viertel des Berges. Wir spazieren gemütlich den schwungvollen Pfad hinauf. Oben angekommen hat die Dämmerung die Stadt bereits in ein schönes Licht gehüllt. So schlecht ist es wirklich nicht! Wir kaufen uns ein Eis und machen uns auf den Weg bergab. Die Route führt diesmal etwas anders zurück, denn wir wollen durch den angrenzenden botanischen Garten marschieren.

Nachdem die steilen Stücke hinter uns liegen kracht die Dunkelheit über uns ein. Klingt für österreichische Ohren vielleicht nicht so schlimm. Aber wart ihr schon mal in einem dunklen australischen Wald? So richtig mit giftigen Spinnen, Schlangen und anderen Ungeziefer? Nein? Das darf auch gerne so bleiben, glaubt mir.

Bei jedem Rascheln springt einer von uns zur Seite oder schreit kurz auf. Schon lange war ich nicht mehr so froh nicht alleine sein zu müssen. Wir kommen am Tor zum botanischen Garten an. Das war ja klar, verschlossen. Der weiterführende Weg im Wald schlängelt sich wie ein Bogen in Richtung Aussichtspunkt zur Hauptstraße zurück. Eine halbe Ewigkeit später erreichen wir die Straße etwa einen Kilometer von der Bergspitze entfernt. Es bleibt aber keine Zeit sich zu ärgern, wir müssen noch irgendwie die restlichen 7km in die Stadt hinter uns bringen. Busse fahren heute jedenfalls keine mehr.

Wir gehen eineinhalb Stunden zu Fuß. Es ist bereits halb 10 als ich aus der Dusche steige und mich erschöpft ins Bett lege.

 

Ach Brisbane.

Irgendwie werde ich einfach nicht warm mit dir, auch wenn du bestimmt nicht so übel bist. Aber meine derzeitige Anti-Reise-Lust und diverse Gegebenheiten machen da ohne zu fragen eine Strich durch die Rechnung unserer Freundschaft.

Morgen geht es um 6:45 weiter auf Fraser Island. Hoffentlich wird es da besser…

 

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