zu Hause

Ich steige aus dem Flugzeug aus. Vor mir gehen zwei Damen, die sich im wiener Dialekt über das Wetter beschweren. „Endlich wieder in Österreich“, grinse ich in mich hinein, „endlich wieder Sudereien!“

Ich komme aus der Tür im Ankunftssaal und meine Schwester fängt zu quietschen an. Ich laufe ihr schreiend entgegen und falle ihr um den Hals. Wer uns kennt kann sich das bestimmt bildlich vorstellen… Ich hänge ihr meine mitgebrachte Hawaii-Blumenkette um und bussl sie ab. Eeendlich habe ich meine Schwesti wieder!

Nach Hause kommen ist also gar nicht so schlimm. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ist nur die erste Euphorie und da ich weiß, dass ich nur heiße drei Wochen hier sein werde. Müsste ich gleich wieder in den Alltag übergehen, ich würde wahrscheinlich innerlich ausflippen. Aber damit muss ich mich ja zum Glück nicht herum schlagen. Somit kann ich die Zeit in Österreich wirklich auf’s äußerste genießen!

Und wie kann man Österreich besser genießen als kulinarisch? Die letzten Wochen hatte ich mir bereits eine Liste mit Schmankerl und Mehlspeisen erstellt, die mir die letzten Monate gefehlt haben. Und glaubt mir, ich bin mehr als bereit diese Liste abzuarbeiten!

Angi hat das natürlich gewusst und deshalb eingekauft. Alles. Und wenn ich hier schreibe ‚Alles‘, dann meine ich das auch so! Alles was irgendwie im Entferntesten für Österreich bekannt ist, hat sie für mich besorgt! Ich kann mich nur leider nicht entscheiden, womit ich starten will. Ich fühl mich wie ein kleines Kind im Zuckerlladen! Ich entscheide mich aber für das aller-aller beste: Butterbrot!

Mannerscnitte konnte ich bereits im Flugzeug abhaken!

 

reich gedeckter Frühstückstisch – Brot, Weckerl und Käse hatte ich in der Form schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr…

 

Außer mit Essen überrascht mich meine Schwester außerdem noch mit einem Ticket für das ‚Rock in Vienna‘-Festival auf der Donauinsel. Somit rocken wir den ganzen Tag zu Bands wie Marteria, Beatsteaks und den Toten Hosen!

Nach drei Tagen angewöhnen in Wien wird es doch langsam Zeit meine restliche Familie zu besuchen. Meine Mama freut sich natürlich am meisten mich wieder zu sehen. Auch sie hilft mir bei meiner Essensliste und hat für mich extra einen Stritzel gekauft und ihren berühmten Krautstrudel und grünen Salat vom Garten mit Kürbiskernöl gemacht. Daheim schmeckt’s doch am besten!

Am nächsten Tag gehts auch gleich weiter zu meinen Großeltern, die gar nicht wissen, dass ich sie besuche. Habe ich generell schon erwähnt, dass ich fast niemanden Bescheid gegeben habe, dass ich nach Hause fliege? Nur meine Schwester wusste das Datum und die Uhrzeit, meiner Mama habe ich zumindest einen Zeitraum genannt. Ich denke, ich wollte mir unterbewusst so eventuelle Verpflichtungen vom Hals halten bzw. so flexibel wie möglich mit Treffen mit Freunden und Verwandten bleiben. Außerdem liebe ich Überraschungen. Und somit sind mir auf jeden Fall einige gelungen! Meine Oma war zum Glück zu Hause (Pensionisten haben ja bekanntlich den meisten Stress…) und hat sich mehr als gefreut, dass ich gesund nach Hause gekommen bin!

Nach einer Riesenportion Marillenknödel (meine Liste wird langsam kürzer) geht es weiter zu meiner anderen Omi und zu meiner geliebten Sheila!! Ich kann gar nicht beschreiben, wie ich diese Hündin vermisst habe! Man kann auch nur schwer sagen, wer mehr aus dem Häuschen ist, Sheila oder ich. Es hält sich aber ziemlich in Waage.

Es ist einfach wunderbar zu Hause, ich genieße jede Sekunde! Der Lavendel blüht im Garten und verbreitet seinen Duft, die Kirschen strahlen knallrot vom Baum und Sheila und ich können nicht genug von einander bekommen!

 

Aber wenn ich abends im Bett liege, kann ich nicht schlafen. Keine Reisenden, die sich nach Mitternacht in’s Dormzimmer schleichen, keine fremden Leute, die über mir im Stockbett schnarchen, nichts. Stille. Nicht einmal das Rauschen des Baches neben unserem Haus durchdringt die Ruhe. An seine Tonlage und Gleichmäßigkeit hat sich Unterbewusstsein die letzten Jahre so gewöhnt, dass ich mich bewusst darauf konzentrieren muss, ihn wenigstens etwas wahrzunehmen.

Es ist wunderbar alles mit einem neuen Blick wahrzunehmen und trotzdem fühlt es sich einfach nicht an, als wäre ich jemals weg gewesen, als wäre ich erst voriges Wochenende fortgefahren. Meine Gefühle sind komplett durcheinander und konträr. Ich möchte wieder fort und gleichzeitig länger hier bleiben. Ich habe Angst alles zu vergessen und gleichzeitig bin ich froh, diese Erlebnisse in mir zu tragen. Es fühlt sich an, als wäre alles gleich und trotzdem ist alles anders.

Ich träume mich weg, liege am weißen Strand von Fiji, blättere durch die Szenen in den einzelnen Ländern und begegne den Menschen, die ich kennen gelernt habe, noch einmal gedanklich. Meine Augen beginnen zu tränen, ich bin so dankbar, dass ich das alles erleben durfte. Endlich schlafe ich ein.

Die nächsten Tage wird es etwas besser. Ich treffe mich mit Freunden, denen ich irgendwie immer das Selbe erzähle, weil es alles doch irgendwie so absurd ist, besuche meine Kollegen im Büro und auf den Baustellen und verbringe die Abende mit langen Spaziergängen mit Sheila.

Spätestens aber am Nova Rock begreife ich, was zur Zeit abgeht. Und zwar meine Freunde und ich zur Musik! Es macht unendlich Spaß schräg und kindisch sein zu dürfen. Ich genieße dieses Kontrastprogramm wirklich sehr!

In der letzten Woche versuche ich noch so viel wie möglich für mich mitzunehmen. Ich genieße die langen, hellen Abende mit tollen Menschen und guten Gesprächen, sauge meine Umgebung ein und speichere alles so gut es geht ab. Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit meinen Großeltern und kuschle so oft es geht mit Sheila und unserem Kater Felix.

Kann man Abschied nehmen lernen? Ich denke nicht. Aber man lernt dazu, was man vermissen wird und versucht genau das vor dem Verlassen besonders bewusst zu erleben.

Bevor ich wieder weiter ziehe besuchen meine Schwester, ein paar Freunde und ich noch das Donauinselfestival. (Musiktechnisch habe ich in den drei Wochen wirklich alles gegeben!) Ich bekomme noch einen traumhaften Sonnenuntergang geschenkt, bevor ich mich am nächsten Tag von Wien verabschiede.

Komischerweise fällt mir dieser Abschied schwerer als der letzte im Oktober. Die Zeit zu Hause habe ich wirklich ausgenutzt, habe versucht alle zu sehen, die ich schätze und habe gemacht, was ich am meisten liebe. Das dann in der Art doch nicht mehr tun zu können und wieder auf sich „alleine“ gestellt zu sein ist schließlich wieder etwas ganz anderes.

Da ich mich aber mittlerweile kenne, habe ich meinen Aufbruch aus Europa etwas abgepolstert und habe eine kleinen Eurotrip für mich geplant. Ich möchte einige meiner Freunde, die ich schon länger nicht mehr gesehen habe oder auf der bisherigen Reise kennen gelernt habe, besuchen!

Ich freu mich schon riesig! So erträgt man das Fortgehen gleich viel leichter.

 

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